Wie funktionieren Rohstoff-ETFs?

Wie funktionieren Rohstoff-ETFs?

Viele Anleger suchen nach interessanten Möglichkeiten, ihr Depot breiter aufzustellen, um gegen Risiken aller Art gewappnet zu sein. Auch von Rohstoffen ist in diesem Zusammenhang oft die Rede. Wie funktioniert ein ETF auf Rohstoffe und lohnt es sich, auf diese Weise in Rohstoffe zu investieren?

Zunächst stellt sich die Frage, was ein Rohstoff-ETF eigentlich sei. Ein ETF (Exchange Traded Fund) ist grundsätzlich ein börsennotierter Fond, der die Kursentwicklung eines Sektors anhand bestimmter Merkmale nachbildet. Mit Blick auf einen ETF für Rohstoffe lassen sich grob zwei Möglichkeiten unterscheiden. Sie haben zum einen die Möglichkeit, in einen Fond zu investieren, der die Future-Preise bestimmter Rohstoffe nachbildet. Wichtig ist hierbei, dass es sich bei einem echten ETF laut EU-Recht stets um einen Mix aus verschiedenen Rohstoffen handelt. Sie haben aber auch die Möglichkeit, in einen ETF zu investieren, der sich an Aktien einer bestimmten Branche orientiert, zum Beispiel an den Aktien von Goldminen. Ob Gold, Silber, Tabak, Kaffee, Weizen, Schweinehälften, Öl oder Kautschuk: Die erfassten Rohstoffe zeichnen sich durch ein großes Maß an Heterogenität aus.

Rohstoff-ETFs - eine komplexe Anlageentscheidung

Es gibt sehr unterschiedliche Kriterien, nach denen ein Rohstoff-ETF aufgebaut sein kann. Bevor Sie investieren, ist es daher sehr wichtig, sich genau mit diesen Kriterien zu beschäftigen. Dabei sollten Sie sich zunächst fragen, nach welchem Ansatz die einzelnen Posten des ETFs ausgewählt worden sind. Ob ökonomische Relevanz, Liquidität oder die Bedeutung gemessen am weltweiten Verbrauch - es gibt sehr viele Möglichkeiten. Das Gleiche gilt für die Indexgewichtung, die Neugewichtung oder auch die Indexanpassung. Sie sollten sich daher fragen, warum Sie ausgerechnet in einen Rohstoff-ETF investieren wollen und davon ausgehend prüfen, welcher ETF am besten zu Ihren Präferenzen passt. Da Rohstoff-ETFs meist sehr verschiedene Rohstoffe abbilden, ist es ohne vertiefte Kenntnisse sehr schwierig, die Chancen und Risiken einer Investition in einen solchen ETF realistisch einzuschätzen.

Wie funktionieren Rohstoff-ETFs?

Die Grundlage für Rohstoff-ETFs bildet nicht der sogenannte Spot-Preis, also der Tageskurs, für den man etwa eine Tonne Öl kaufen kann. Die Preisentwicklung orientiert sich in der Regel am Terminmarkt in Form von Futures. Die Rohstoffe werden zwar jetzt gekauft, jedoch nicht zum üblichen Kurs, sondern zu einem Kurs, der in der Zukunft erwartet wird. Dies hat den Vorteil, dass keine physischen Rohstoffe wie Öl, Gold oder Lebendrinder erworben werden müssen, die ihrerseits Lagerkosten verursachen würden. Dank der zeitlich verschobenen Erfüllungspflicht bleibt dem Rohstoffhändler genügend Zeit, einer physischen Lieferung mit dem Verkauf seine Positionen zuvorzukommen. Dieser Vorgang wird als Rollen bezeichnet. Durch das Rollen kann der Händler von der Preisentwicklung profitieren, ohne die Rohstoffe jemals physisch besessen zu haben. Notieren die Futures, die der Händler im nächsten Monat neu einkauft, unter dem Wert seiner verkauften Futures, erhält er einen Rollgewinn (Backwardation). Muss er für die neuen Futures jedoch mehr zahlen, hat er einen Rollverlust (Contango) erlitten, der die Rendite des ETFs schmälert. Dies sollten Sie im Auge haben, um keine unangenehmen Überraschungen erleben zu müssen. Es gibt jedoch auch rolloptimierte ETFs, die helfen, das Rollrisiko zu minimieren.

Die beliebtesten Rohstoff-ETFs

Die folgenden ETFs sind die beliebtesten Rohstoff-ETFs, gemessen an dem investiertem Kapital.

  1. iShares Diversified Commodity Swap UCITS ETF (ISIN IE00BDFL4P12, WKN A2DK6R): Rohstoffe, aus den Bereichen Energie, Edelmetalle, Industriemetalle, Lebendvieh und Agrarrohstoffe. Der ETF ist als kostenloser Sparplan bei der comdirect und Trade Republic erhältlich.
  2. L&G Longer Dated All Commodities UCITS ETF (ISIN DE000A1CXBV8, WKN A1CXBV): Rohstoffe aus den Bereichen Energie, Edelmetalle, Industriemetalle, Lebendvieh und Agrarrohstoffe. Der ETF ist als Sparplan bei der comdirect und onvista bank erhältlich.
  3. Lyxor Commodities Thomson Reuters/CoreCommodity CRB TR UCITS ETF Acc (ISIN LU1829218749, WKN LYX0Z2): Zugang zu 19 Rohstoffen. Der ETF ist als kostenloser Sparplan bei der comdirect, onvista bank und DKB erhältlich.
  4. ComStage Commerzbank Commodity ex-Agriculture EW Index TR UCITS ETF (ISIN LU0419741177, WKN ETF090): Zugang zu den 12 liquidesten und bedeutendsten Rohstoffen. Der ETF ist als Sparplan bei flatex erhältlich.
  5. UBS ETF (IE) CMCI Composite SF UCITS ETF (USD) A-acc (ISIN IE00B53H0131, WKN A1C79N): Zugang zu 29 Rohstoffen aus den Bereichen Energie, Agrarrohstoffe, Industriemetalle, Edelmetalle und Lebendvieh. Der ETF ist als Sparplan bei der DKB erhältlich.

Vorteile einer Investition in Rohstoff-ETFs

Was Rohstoff-ETFs auszeichnet, ist ihr passives Management, das mit niedrigen Kosten einhergeht. Es muss kein großes Team bezahlt werden, das für die Verwaltung zuständig wäre. Darüber hinaus lassen sich Rohstoff-ETFs einfach an der Börse erwerben, ohne dass dabei ein Ausgabeaufschlag anfallen würde. Neben diesen Vorteilen, die für die meisten ETFs gelten, haben ETFs auf Rohstoffe spezifischere Vorzüge. Vor allem Edelmetalle wie Gold oder Silber zeichnen sich durch eine vergleichsweise niedrige Korrelation mit dem Aktienmarkt aus. Dieser Umstand kann Ihnen gerade in Krisenzeiten helfen, die Entwertung Ihres Portfolios zu verhindern. Rohstoff-ETFs ermöglichen es als Depotbeimischung, diesen Effekt zu nutzen, ohne selbst physische Edelmetalle besitzen und sicher lagern zu müssen. Wenn Sie zu den eher risikofreudigen Anlegern gehören, könnte eine Investition in einen ETF auf Rohstoffe für Sie interessant sein, sofern Sie von der erfolgreichen Entwicklung einer Branche überzeugt sind und die große Volatilität für sich nutzen möchten.

Nachteile einer Investition in Rohstoff-ETFs

Nicht alle Rohstoffe tragen so überzeugt zur Risikostreuung bei wie Gold. In einer wirtschaftlichen Krise wird weniger Energie und damit auch weniger Öl benötigt, in der Fertigung werden weniger Metalle wie beispielsweise Platin verarbeitet und auch der Bedarf an Erz geht rapide zurück - all dies führt zu parallelen Preisstürzen dieser Rohstoffe, sodass der gewünschte Diversifikationseffekt in Frage steht.

Kaum überschaubar sind darüber hinaus die Risiken der verschiedenen Rohstoffgruppen. Ob Gesetzesverschärfungen, Schadenersatzansprüche aufgrund von Umweltschäden, Streiks, protektionistische Handelspolitik, Missernten oder Epidemien: Es gibt zahllose Gründe, die einen langfristig stabilen Aufwärtstrend von Rohstoff-ETFs bedrohen. Besonders der Ölpreis unterliegt starken Schwankungen, die sich in den meisten ETFs stark bemerkbar machen, weil sie diesen Rohstoff stark gewichten. Es gibt auch ethische Bedenken, denn einige Kritiker erblicken in der Spekulation auf Nahrungsmittel eine Ursache für überzogene Preise und damit für Hunger. Falls Sie diese Auffassung teilen oder auf Nummer sicher gehen möchten, können Sie in ETFs ohne Nahrungsmittel- bzw. ganz ohne Agrarprodukte investieren.

Historisch zeigt sich, dass ein Großteil der Rohstoff-ETFs trotz des großen Risikos nur geringe oder keine Kursgewinne erzielen konnte. Daher ist diese Assetklasse insbesondere für die Altersvorsorge eine schwierige Wahl. Zudem sollten Sie mit dem Kontrahentenrisiko rechnen, da immer die Möglichkeit besteht, dass die Gegenpartei das Termingeschäft aufgrund einer Insolvenz nicht bedienen kann. In solch einem Fall verbilligte sich der ETF und Sie würden Geld verlieren.

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