Ein unterschätzter Kostenfaktor bei ETFs: Die Tracking Difference

Ein unterschätzter Kostenfaktor bei ETFs: Die Tracking Difference

Die Sache mit den Gebühren

Dieser Post widmet sich den ETF-Gebühren. Immer wieder bekommen wir mit, dass viele Sparer bewusst auf sehr kostengünstige ETFs setzen. Bei der Auswahl wird neben Kennzahlen wie der Rendite vor allem auf die Gesamtkostenquote (TER) geschaut. Die Gesamtkostenquote des Anbieters ist jedoch nur die halbe Wahrheit, denn in der Realität sind die Kosten unserer Erfahrung nach ganz andere.

Professionelle Anleger schauen bei passiven Indexfonds auf die sog. Tracking Difference (TD). Diese Kennzahl beschreibt die Abweichung eines ETFs von seinem Referenzindex. In dieser Abweichung ist alles eingerechnet, was für den Anleger Kosten verursacht. Also Gebühren, Spread, Tracking Errors, usw.

Den eigenen Index outperformen

ETFs sind unterschiedlich aufgebaut und manche bilden ihren Index gut oder schlecht ab. Einige sind dabei so gut unterwegs, dass sie ihren Index (nach Kosten) sogar übertreffen und einen Outperform erzielen. Z. B. der ComStage NASDAQ-100 UCITS ETF kostet laut Anbieter 0,25% TER. Die Tracking Difference betrug aber in Jahr 2017 -0,90%, d. h. er hat nach Abzug der Kosten die Indexentwicklung immer noch deutlich übertroffen. Wow! Unserer Erfahrung nach sind die Outperformer aber die risikoreicheren Swap-ETFs.

Die Fondsgesellschaft ComStage weist eine Gesamtkostenquote (TER) von 0.25% pro Jahr aus. Die durchschnittliche jährliche Abweichung von der Indexentwicklung (Tracking Difference) seit 2009 betrug -0.62% pro Jahr. Damit war der ETF für den Anleger deutlich günstiger als es die TER suggeriert und hat sogar die Indexentwicklung übertroffen.
Tracking Difference vom ComStage Nasdaq 100

Leider gibt es aber auch eine ganze Reihe von ETFs, die ihre eigene TER übertreffen. So soll z. B. der Xtrackers DAX UCITS ETF 1C eigentlich nur 0,09% pro Jahr kosten, die durchschnittliche jährliche Abweichung vom DAX seit 2008 betrug allerdings 0,31% pro Jahr. Damit war der ETF bis jetzt also deutlich teurer.

Der Tracking-Differenz ist eine sehr hilfreiche Metrik, die Ihnen helfen kann herauszufinden, ob wie gut ein ETF seinen Referenzindex abbilden kann oder nicht.

Die meisten ETFs verfolgen einen Index wie den FTSE 100. Bei einem FTSE 100 ETF zielt der ETF also darauf ab, die Performance des FTSE 100 so nah wie möglich zu replizieren. Wenn der FTSE 100 über ein Jahr hinweg um zehn Prozent steigt, dann will der ETF so nah wie möglich an einen Anstieg von 10% herankommen.

Wenn der FTSE 100 über ein Jahr hinweg um 10% und der FTSE 100 ETF nur um 9% steigt, dann beträgt die Tracking-Differenz 1%. Um es anders auszudrücken, die Verfolgung von Unterschieden ist die Diskrepanz zwischen ETF-Performance und Index-Performance. Die Tracking-Differenz ist selten Null, der ETF hinkt dem Index normalerweise ein wenig hinterher.

Der Tracking-Fehler oder auch Tracking Error ist anders. Es geht eher um Variabilität als um Leistung. Im Wesentlichen wird die Volatilität in der Differenz der Performance zwischen dem Fonds und seinem Index betrachtet. Wenn ein ETF einen geringen Tracking-Fehler hat, können Sie sich zuversichtlicher fühlen, dass er zumindest mit dem gleichen Tracking-Differenzbetrag fortfahren wird, den er in der jüngeren Geschichte geliefert hat.

Welche Faktoren beeinflussen die Tracking-Differenz?

Kosten
Die jährlichen Gebühren des ETF sind zwangsläufig ein Faktor für die Verfolgungsdifferenz eines ETFs. Wenn ein ETF eine Gesamtkostenquote (Total Expense Ratio, TER) von 0,5% hat, dann können Sie erwarten, dass die Tracking-Differenz auch 0,5% beträgt.

Transaktions- und Ausgleichskosten
Wenn ein Index sich neu ausrichtet, typischerweise alle 3 Monate, werden die Gewichtungen der Unternehmen im Index geändert. Außerdem verlassen Unternehmen manchmal den Index und es kommen neue hinzu.

Der ETF muss Aktien handeln, um diese Veränderungen widerzuspiegeln, und der Handel verursacht Handelskosten.

Optimierte Replizierung / Sampling
Einige ETFs besitzen nicht Aktien aller Unternehmen in einem Index. Wenn der Index 800 verschiedene Unternehmen enthält, ist es einfacher, in eine repräsentative Stichprobe des gesamten Index zu investieren. Anleihen-ETFs verwenden besonders wahrscheinlich Stichproben, da Anleihenindizes Tausende von verschiedenen Anleihen enthalten können, von denen viele illiquide sind. Viele Aktien haben eine so geringe Gewichtung im Index, da macht es für einen ETF wenig Sinn diese zu kaufen.

Sampling ist in vielerlei Hinsicht eine gute Idee, aber es kann zu einem gewissen Tracking-Differenz führen.

Dividenden
Einige ETFs erhalten regelmäßig Dividenden von den Vermögenswerten in ihren Portfolios. ETFs hängen oft einige Monate an der Kasse, bevor sie sie an die Aktionäre ausschütten. Diese Schnecken können auch dazu führen, dass die Differenz verfolgt wird.

Timing
Wenn ein Index sein Gleichgewicht wiederherstellt oder seine Komponenten wiederherstellt, erfolgen die Änderungen sofort. Im Gegensatz dazu muss ein ETF, der den Index verfolgt, ausgehen und handeln, um sich mit dem Index neu auszurichten. Während der Zeit, die zum Kauf und Verkauf der notwendigen Wertpapiere benötigt wird, bewegen sich die Kurse und erzeugen eine Tracking-Differenz zwischen dem Index und dem ETF.

Swaps
Einige ETFs verleihen einen Teil der Vermögenswerte in ihren Portfolios an Kreditnehmer, höchstwahrscheinlich Leerverkäufer. Dies schafft zusätzliche Einnahmen für den ETF, aber dieses zusätzliche Einkommen kann auch zu einer weiteren Abweichen der Differenz führen. Diese Abweichung kann sowohl positiv als auch negativ sein. Eingie ETFs schaffen durch Swaps und extrem niedrigen Kosten sogar eine Überrendite bzw. Outperformance gegenüber ihrem abzubildenen Index.

Tracking Difference bei ETFs ermitteln

Wenn die Gebühren des Anbieters in der Realität wenig Relevanz haben, wo kann ich als Anleger die Tracking Difference einsehen? Die beste uns bekannte Website dafür ist http://trackingdifferences.com.

Sparplan-Tipp: Bei Trade Republic* kannst du mehr als 300 ETFs von iShares dauerhaft kostenlos besparen. Schon ab 25€ monatlich.

Bitte abonniere unseren kostenlosen ETF-Newsletter, um keine Posts zu verpassen. Kein Spam - versprochen!


Share Tweet Send
0 Kommentare
Lade...



Trade Republic



Rechtliche Hinweise: Die in den Artikeln erwähnten ETFs und anderen Finanzprodukte stellen keine Kaufempfehlung dar. Wir können keine Finanzberatung oder ähnliches anbieten. Der Wert von Aktien, ETFs und ETCs, die über ein Wertpapierdepot gekauft wurden, kann sowohl steigen als auch fallen. Börsengeschäfte stellen ein erhebliches Risiko dar, die bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen können. ETFs24 haftet nicht für materielle und/oder immaterielle Schäden, die durch Nutzung oder Nichtnutzung der Inhalte oder durch die Nutzung fehlerhafter und unvollständiger Inhalte verursacht wurden. Der Autor besitzt keinen der genannten ETFs. Keiner der Inhalte stellt ein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar.


* Bezahlte Produktplatzierung zur Finanzierung dieser Website. Dir entstehen dadurch keinerlei Nachteile. Du unterstützt damit unsere Arbeit.


Du hast dich erfolgreich angemeldet bei ETFs24
Großartig! Als Nächstes füllen Sie die Kasse für den vollständigen Zugang zu ETFs24
Willkommen! Du hast dich erfolgreich angemeldet.
Erfolg! Ihr Konto ist vollständig aktiviert, Sie haben jetzt Zugang zu allen Inhalten.